Kann ein automatischer Barrierefreiheits-Score belegen, dass unsere Website barrierefrei ist?
Ein hoher automatischer Barrierefreiheits-Score beweist nicht, dass Ihre gesamte Website barrierefrei ist. Fragen Sie vor der Abnahme, welche Seiten und Formularzustände getestet wurden, was Menschen selbst geprüft haben und worum man sich noch kümmern muss.

Wenn Ihnen ein Anbieter einen hohen Barrierefreiheits-Score zeigt und Sie bittet, die Arbeit abzunehmen, reicht der Score allein nicht aus. Er sagt etwas über die automatischen Prüfungen aus, die für die untersuchten Inhalte ausgeführt wurden. Sie müssen noch wissen, was getestet wurde, was Menschen geprüft haben und was noch offen ist.
Automatische Prüfungen sind nützlich. Sie können Barrieren finden und dabei helfen zu prüfen, ob eine Korrektur funktioniert hat. Problematisch wird es, wenn aus dem Ergebnis dieser Prüfungen eine Aussage über die gesamte Website wird.
Was zählt tatsächlich für den Score?
Ein konkretes Beispiel ist Lighthouse. Dessen Score für Barrierefreiheit basiert auf gewichteten Prüfungen, die jeweils bestanden oder nicht bestanden werden. Manche Prüfungen zählen stärker als andere. Manuelle Prüfungen fließen nicht in den Score ein, ebenso wenig einige Prüfungen mit geringer Auswirkung oder zu bewährten Vorgehensweisen. So berechnet Lighthouse sein Ergebnis; ein anderes Tool kann anders arbeiten.
Ein hoher Lighthouse-Score beschreibt also, wie die getesteten Inhalte bei den automatischen Prüfungen abgeschnitten haben, die in dieses Ergebnis einfließen. Er sagt nicht aus, dass die manuellen Prüfungen bestanden wurden. Auch zeigt er nicht, was auf Seiten oder in Zuständen der Benutzeroberfläche geschieht, die niemand untersucht hat.
Bevor Sie weitergehende Schlüsse ziehen, fragen Sie, welches Tool und welche Version das Ergebnis erstellt haben, welche Seiten geprüft wurden und welche Zustände darin berücksichtigt waren. Bei einem Kontaktformular gibt es vor dem Absenden, nach einem Fehler und nach erfolgreichem Absenden jeweils andere Dinge zu prüfen.
Die W3C-Empfehlungen zur Auswahl von Prüfwerkzeugen erklären, dass sich der Umfang der Tools unterscheidet und nicht alle Aspekte der Barrierefreiheit automatisch geprüft werden können. Menschliches Urteilsvermögen bleibt nötig. Ein hilfreicher Bericht macht diese Grenzen zusammen mit den Ergebnissen sichtbar.
Ein Kontaktformular zeigt, welche Fragen sich als Nächstes stellen
Stellen Sie sich ein Kontaktformular mit einem Feld vor, das mit „Referenz“ beschriftet ist. Das ist ein hypothetisches Beispiel und kein Befund zu einer bestimmten Website. Eine automatische Prüfung kann feststellen, dass das Feld eine Beschriftung hat. Ein Mensch muss dennoch beurteilen, ob „Referenz“ erklärt, was eingetragen werden soll. Eine Bestellnummer, eine Kundennummer oder etwas anderes?
Nehmen wir an, jemand lässt dieses Pflichtfeld leer. Lassen Sie in einer autorisierten Testumgebung das Pflichtfeld leer und verwenden Sie nur erfundene Beispieldaten. So erscheint die Fehlermeldung. Erklärt die Meldung, was fehlt? Kann jemand, der die Website mit der Tastatur bedient, zum Feld navigieren, den Fehler beheben und die Schaltfläche zum Absenden erreichen? Kann jemand, der einen passenden Screenreader nutzt, die Fehlermeldung finden und verstehen?
Prüfen Sie nach der Korrektur auch die Bestätigung. Kann die Person erkennen, ob ihre Nachricht gesendet wurde oder ob noch etwas zu tun ist? Testen Sie in einer vereinbarten Umgebung, in der keine echte Anfrage abgeschickt wird. Für eine Demonstration müssen keine persönlichen Daten an einen öffentlichen Scan-Dienst übermittelt werden.
Entscheidend ist, welche dieser Zustände und Verhaltensweisen durch die Nachweise abgedeckt sind. Ein Scan des Formulars im Ausgangszustand sagt nichts über den Fehler- oder Bestätigungszustand aus, wenn diese nicht ebenfalls untersucht wurden. Ein Tool kann bei Prüfungen dieser Zustände helfen, sofern sie Teil des Tests sind. Fragen Sie, was tatsächlich geprüft wurde, statt anzunehmen, dass jeder Scanner diese Zustände entweder abdeckt oder übersieht.
Halten Sie drei verschiedene Antworten auseinander
Welche automatischen Prüfungen wurden bestanden? Die Ergebnisse des Tools können das für die Inhalte und Zustände beantworten, die es untersucht hat. Sie können auch zeigen, was zu korrigieren und erneut zu testen ist.
Können Menschen wichtige Aufgaben erledigen? Eine fachkundige manuelle Bewertung, Prüfungen mit den relevanten Eingabemethoden und Assistenztechnologien sowie die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen können weitere Barrieren aufdecken. Halten Sie fest, welche Aufgaben, Seiten, Zustände und Einstellungen abgedeckt waren. Ein Erfolg mit einer Konfiguration sagt nichts über andere Konfigurationen aus.
Die W3C-Empfehlungen zur Einbeziehung von Nutzern erklären, wie ihre Erfahrungen die Bewertung anhand von Barrierefreiheitsstandards ergänzen. Einige erfolgreiche Testsitzungen beweisen nicht, dass die Website für alle funktioniert. Auch eine manuelle Bewertung hat einen Umfang. Die Aussage „Wir haben es von Hand geprüft“ sollte erklären, was geprüft wurde.
Erfüllt der festgelegte Prüfbereich der Website den gewählten Standard? Dafür ist eine Bewertung anhand dieses Standards nötig. Die W3C-Empfehlungen zur Konformitätsbewertung beschreiben, wie man den Umfang festlegt, eine repräsentative Stichprobe auswählt, bewertet und berichtet. Der Bericht sollte erklären, was er abdeckt und wie die Ergebnisse seine Schlussfolgerung stützen. Ein Score oder das erfolgreiche Absenden eines Formulars beantwortet diese Frage nicht allein.
Bitten Sie um einen Bericht, der Ihnen bei der Entscheidung hilft
Sie müssen die Testwerkzeuge nicht selbst bedienen. Sie brauchen aber genügend Einzelheiten, um zu verstehen, was Sie abnehmen. Bitten Sie den Anbieter um eine kurze Darstellung folgender Punkte:
- Verwendetes Tool und Version, getestete Seiten und Zustände der Benutzeroberfläche sowie die einbezogenen automatischen Prüfungen.
- Gefundene Barrieren und die Aufgaben, die sie beeinträchtigen, etwa einen Fehler zu korrigieren oder eine Anfrage abzusenden.
- Vorgenommene Korrekturen und das Ergebnis des erneuten Tests.
- Durchgeführte manuelle Bewertung und Prüfungen mit Assistenzsoftware, einschließlich Umfang und verwendeter Konfigurationen.
- Was noch nicht getestet oder ungelöst ist und wer die fehlende Bewertung organisiert.
Die Prüfleitlinien des britischen Ministeriums für Arbeit und Renten beschreiben, wie die Behörde automatische und manuelle Prüfungen sowie Prüfungen mit Assistenzsoftware einsetzt und Testaufzeichnungen aufbewahrt. Das ist die eigene Praxis der Behörde und kein vorgeschriebenes Paket für jede Website.
Sie können eine dokumentierte Korrektur abnehmen und die weitergehende Frage zur Barrierefreiheit zugleich offenlassen. Ein erneuter Test kann zum Beispiel die Abnahme der korrigierten Beschriftung im getesteten Formular stützen, während die Prüfung des Fehler- und Bestätigungszustands noch aussteht. Benennen Sie die verbleibenden Arbeiten und vereinbaren Sie, wer sie übernimmt.
Damit haben Sie eine gute Grundlage für den nächsten Schritt: bekannte Barrieren beheben und die noch nötige Bewertung organisieren. Eine höhere Zahl ist nur im Zusammenhang damit aussagekräftig, was geprüft wurde und was sich für die Menschen geändert hat, die die Website nutzen.